stuttgarter westnacht
schrill lacht die salve
dir mitten ins gesicht
dein glas nickt lichter
rotkäppchen braust auf
ein johnny cash
pfeift auf die fünfte
und tote hosen
punken ledern
drei schräge vögel
tauchen tief in dunkles
ein lachen stirbt vor qual
verwaist auf einer insel
dein blick ins leere glas
sucht einen letzten tropfen
zwei liebende glühen weiter
beschützt vom nachtgebet
firmenkosmetik
es trifft wenn heinrich heimlich schmiert
sein taktstock schwarze zahlen ritzt
verbiegt sein lachen die bilanz
und aktionäre reiben sich die finger wund
am morgen koksen börsen mannhaft
doch angela schwört wieder nur
auf ihre waschmaschine
nulldiät
und abends schleicht der hunger heimlich rein
der magen knurrt und rumpelt fürchterlich
ich schlucke leer, ich leide, quäle mich
es schiebt der kohldampf, geht durch mark und bein
jetzt kreisen grausig böse fressgedanken
mein teller nackt seit stunden, drumherum
verbiegt mich alle welt und macht mich krumm
das ich verletzt vor neid auf alle schlanken
ich halts nicht länger aus, zum kühlschrank hin
mein gott ich habs geahnt, es liegt nichts drin
nicht wurst, kein käse, gar nichts eingemacht
nur eine kleine rote pfefferschote
die lockt als winzig froher götterbote
sie strahlt mich an, sie lacht, und sagt gut nacht
veröffentlicht in
Texte der Literatur-Werkstatt
Universität Stuttgart, Studium Generale
2007/2008/2009
Copyright © Wolfgang Haenle 2007-2011
Theme by Danetsoft and Danang Probo Sayekti inspired by Maksimer